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Leserbrief zur Berichterstattung über die sich verändernde Schullandschaft in Hamm im WA:
Es ist erfreulich, dass sich der Lehrer und Vorsitzende des Vereins „Pro Herringen“ Gedanken über die Hammer Schullandschaft macht. Die Beteiligung der Bürger an derartigen Diskussionen ist wichtig und wünschenswert.
Ob eine Veränderung der Hammer Schullandschaft wirklich wünschenswert ist, bedarf genauer Analyse. Veränderungen hat es immer gegeben. Man denke nur an das große Schulkarussell in den 80er Jahren im Vorfeld der Gründung der beiden Hammer Gesamtschulen. Auch später gab es Veränderungen: Schulschließungen, eine Neugründung, Umzüge, Zusammenlegungen. Vor diesem Hintergrund von einer „erstarrten Schullandschaft“ zu sprechen fällt schwer.
Veränderung um der Veränderung willen ist keineswegs wünschenswert. Man macht keine teuren Experimente mit Schülern, Lehrern und Eltern. Insofern ist eine gewisse Beständigkeit ein Zeichen von Klugheit und Verantwortungsbewusstsein. Bei Grünen, Linken und Sozialdemokraten geraten derartige Überlegungen leicht ins Hintertreffen, wenn es um das Allheilmittel für die Ausbesserung tatsächlicher oder vermeintlicher Mängel geht: die Gründung von Gesamtschulen, Gemeinschaftsschulen oder wie die aktuelle Bezeichnung gerade lautet.
Diesem Wunderglauben erliegt auch Dr. Gürle. Für ihn ist die Hauptschule „ein System der sozialen Ungerechtigkeit, in der sich Kinder aus bildungsfernen Schichten tummeln, denen keine oder kaum Perspektiven geboten werden.“ Es ist mir beinahe peinlich, den Kollegen darauf hinweisen zu müssen: Die Hauptschule bietet dieselben Abschlüsse wie Realschule oder Gymnasium, also Sekundarabschluss, Fachoberschulreife und Fachoberschulreife mit Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe. Darüber hinaus bietet die Hauptschule vielfältige Möglichkeiten, sich auf das berufliche und private Leben nach der Schule vorzubereiten, wie Praktika, Bewerbungstrainings und vieles mehr.
Natürlich können niedrig qualifizierte Schüler auch auf Schwierigkeiten stoßen, z. B. bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Doch was würde die Umwandlungen ihrer Schulen in Gemeinschaftsschulen daran ändern? Nichts. Denn ein schwacher Schüler bleibt ein schwacher Schüler, egal welches Etikett das Schulgebäude ziert. Befremdlich ist die Vergötterung des Abiturs. Sollen noch mehr Schüler, die eine Ausbildung absolvieren, diese erst im fortgeschrittenen Alter von 19 oder 20 Jahren beginnen? In diesem Alter könnten sie ihre Ausbildung bereits beendet haben und finanziell auf eigenen Füßen stehen.
Ärgerlich und teuer für den Steuerzahler ist die Forderung, in jedem Stadtteil eine eigene gymnasiale Oberstufe anbieten zu müssen. Das beste Beispiel, dass dies nicht in jedem Falle nötig ist, stellt der Stadtteil Rhynern dar, in dem Jahr für Jahr die höchste Abiturientenquote erzielt wird.
Es gibt ein weiteres Argument, das an der Wunderwaffe Gemeinschaftsschule zweifeln lässt: das Schulwahlverhalten ihrer eifrigsten Verfechter. Preisfrage: Arbeitet der Kollege Dr. Gürle an eine Gesamtschule oder an einem Gymnasium? Sie ahnen es. Und wo melden Linke, Sozialdemokraten und Grüne bevorzugt ihre Kinder an? An Gesamtschulen oder Gymnasien? Sie liegen erneut richtig. Auf die Frage an eine Gesamtschullehrerin, die ihre Schulform stets im Vorteil sieht, wo sie denn ihre Tochter angemeldet habe, bekam ich zu hören: „Die Lena geht zum Steingymnasium. Ihre Freundin geht auch dorthin. Sonst hätte ich sie natürlich an der Gesamtschule angemeldet.“ Sie haben noch Fragen?
Bernhard Winters
Schlehenstr. 11
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