Bossel-Wettkampf im Altenbögger Bauerndorf
Die WR (Katja Burgemeister) berichtete am 6. Juni 2010
Verkleidungskunst trifft Sportlichkeit
Was tun Menschen in Operationskleidung mit einer Kugel im Altenbögger Feld? Sie werfen sie wie die als Frauen verkleideten Männer oder die Pussycats mit den roten Socken gutgelaunt immer ein Stückchen weiter von sich weg. Bosseln nennt sich das kuriose Wurfvergnügen in freier Natur.
In Bönen lockt das im siebten Jahr nicht weniger als 56 Gruppen mit jeweils sechs bis sieben Werfern an.
2,5 Kilometer mussten zurückgelegt werden
Die acht jungen Bossler von „Dirty Sanchez” tun es auch ganz privat. „Wir haben uns die Kugeln aus südamerikanischem Hartholz aus dem Internet besorgt und üben drei bis vier Mal im Jahr”, erläutert die achtköpfige Truppe. Ziel ist es, mit möglichst wenigen Würfen eine festgelegte Strecke zu bewältigen.
Doch ganz so einfach ist der Freiluftspaß auch wieder nicht. Das hölzerne Rund muss auf der Straße bleiben. „Die Kugel schwimmt nicht auf dem Wasser”, erklärt ein „Dirty Sanchez” fachmännisch. In den Altenbögger Felder verstecken sich wiederum hübsche kleine Wassergräben und Tümpel. So kann mancher Wurfausflug feuchtfröhlich enden. Abgesehen von dem mit drei Autobatterien, Subwoovern und einem randvoll gefüllten Kühlschrank versehenen Begleitwagen.
2,5 Kilometer mussten die 56 Gruppen bei den Bönener Ortsmeisterschaften absolvieren. Zu großer Andrang für einen Tag, so dass die Wettkämpfer am Fronleichnamstag und am Samstag an der Startlinie am Hof Middendorf Aufstellung nahmen. „Vor sieben Jahren haben wir mit sieben Gruppen angefangen”, erläutert Ulrich Luig. Inzwischen haben sich insgesamt 95 Bosselgemeinschaften durch die Bönener Natur geworfen. Die Idee hatte ein Mitglied des Kegelvereins „Locker vom Bock” dereinst in Niedersachsen voller Begeisterung verfolgt und kurzerhand nach Bönen importiert. Keine Frage: „Die Idee hat voll eingeschlagen”, betont Luig.
Voll eingeschlagen hat die Kugel auch bei den Schützen aus Bramey-Lenningsen-Flierich. „Lat'n lopen” haben sie sich getauft. Die Kugel folgt an diesem Tag jedoch nicht immer diesem Motto. Gelegentlich steht ein Ausflug in die Weizenfelder und Gräben an. Im Großen und Ganzen „ist es aber wie Kegeln, nur länger”, meinen die Erstbossler, die kein einziges Mal geübt haben. Auch die „Gummikutscher” vom Betriebshof Brünninghausen in Dortmund gehen jungfräulich an die runde Sache. „Wir haben keine Ahnung, wie das funktioniert - wir lassen uns mal überraschen”, meint die 14-köpfige Truppe, die mit eigenen T-Shirts für die Premiere angerückt ist. Angekommen sind auch sie irgendwann am 2,5 km entfernten Hof Menken. Dort musste manches knappe Ergebnis mit Stiefeln im Weitwurf geklärt werden, bevor bis in die Nacht hinein vereint gefeiert wurde.