Hochwasserschutz Platz für 20 Millionen Badewannen
Die WR (Uli Thormälen) berichtete am 8. Juni 2010
Spatenstich Renaturierung der Seseke, 1. Bauabschnitt HRB Bönen.
Foto: Dietmar Wäsche
Die Seseke, ein 20 Meter breiter Fluss. Das ist noch eine Vision. Aber eine, die schon Ende nächsten Jahres Wirklichkeit werden soll.
Denn mit dem gestrigen Spatenstich auf dem Baufeld des Rückhaltebeckens in Bönen leiteten Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes, und Martin Wiggermann als stellvertretender Landrat des Kreises Unna, den „vorletzten Schritt zum Abschluss des Seseke-Projektes ein“.
Rund 20 Millionen Euro wird dieser Bauabschnitt kosten. Der Großteil, rund 60 %, fließt in das Rückhaltebecken, der Rest in die Umgestaltung der Seseke auf dem sieben Kilometer langen Stück zwischen Bönen und der Fünf-Bogen-Brücke in Kamen. Eben auf diesem Teilstück, soll aus dem einstigen Abwasserkanal ein teilweise bis zu 20 Meter breites, frei fließendes Gewässer werden. Mit Blick auf den gesamten Sesekeumbau hob Dr. Stemplewski diesen Abschnitt daher besonders hervor: „Dies wird im Zuge der Renaturierung das ökologischste Stück Seseke werden!“
Von zentraler Bedeutung ist der gestern begonnene Bauabschnitt aber insbesondere für die Anrainer-Städte Kamen, Bergkamen und Lünen. Denn der Bau des gewaltigen Rückhaltebeckens in Bönen dient in erster Linie dem Hochwasserschutz dieser Kommunen. Dabei, und das betonte Stemplewski ausdrücklich, habe man bei der Dimensionierung auch dem Klimawandel und künftigen Starkregenfällen Rechnung getragen. Deiche werden bis zu 4,5 Meter hoch
Das zweiteilige Rückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von 340 000 Kubikmetern (oder 20 Millionen Badewannenfüllungen, so Stemplewski) liegt südöstlich von Bönen am Zusammenfluss der Seseke mit der „kleinen Seseke“. Es gibt einen größeren westliche Teil, der durch eine Deichstrecke mit einem östlichen Becken verbunden ist. An beiden Becken entstehen bis zu 4,50 Meter hohe Deiche. Für diese wird teilweise das Material des jetzt noch bestehenden alten Deiches neben der Seseke verwendet. Dies ist Teil eines konsequenten Bodenmanagementes, das der Lippeverband beim Sesekeprojekt betreibt.
Denn zur Aufschüttung der Deiche werden rund 300 000 Tonnen Erde benötigt. 80 000t davon hat der Verband bereits 2008/9 während der Umgestaltung des ersten Bauabschnittes der Seseke auf das Baufeld nach Bönen transportiert. Weitere 120 000 t werden aus dem Aushub für die gleichzeitig beginnende Seseke-Umgestaltung zwischen Bönen und Kamen herangeschafft. Weitere 100 000 t sind ein Bodenüberschuss von der Baustelle eine Hochwasserrückhaltebeckens in Dortmund-Mengede an der Emscher. An der Rexe wird eine neue Brücke gebaut.
Die Deiche selbst werden nach ihrer Fertigstellung für die Öffentlichkeit nutzbar sein. Auf der Deichkrone entsteht nämlich ein neuer Fuß- und Fahrradweg. Dieser wird am Ende des Projektes teil eines Radwegenetzes entlang der Seseke sein, wie Projektleiter Dirk Klingenberg gestern erläuterte. An der Rexe in Richtung Kamen soll sogar noch eine neue Brücke entstehen. „Rund 80 % der Radstrecke werden parallel zur Seseke verlaufen“, sagte Klingenberg.
Dr. Jochen Stemplewski nutzte den gestrigen Spatenstich in Abwesenheit von Bürgermeister Eßkuchen auch, um der Gemeinde Bönen Dank für die gute Zusammenarbeit zu sagen. Mit Blick auf den künftigen Hochwasserschutz, von dem vor allem die Anrainer profitierten, meinte er augenzwinkernd: „Das ist wohl etwas, für das Kamen, Bergkamen und Lünen der Gemeinde Bönen auf ewig dankbar sein werden.“
Dankbar sein werden aber auch die vielen Menschen, die an der Seseke wohnen. Statt eines stinkenden Abwasserkanals haben sie bald ein Naherholungsgebiet vor der eigenen Haustür.