Ich tu‘s mal

altDer WA (kab) berichtete am 19. Mai 2010

Für Turan Karacayir war es immer eine Selbstverständlichkeit, für die Interessen seiner Mitbürger einzustehen. Er arbeitete seit 1994 im Ausländerbeirat mit, ließ sich im Februar in den neu gebildeten Integrationsrat wählen.

Jetzt hat sich der Vater von zwei Kindern entschieden, noch mehr zu tun: Er ist in die CDU eingetreten. Und er möchte bei der nächsten Kommunalwahl für den Rat kandideren.

„Ich möchte wenigstens ein bisschen mithelfen, Bönen zu gestalten“, sagt Karacayir. Dass er als gebürtiger Türke ausgerechnet die Christdemokraten als „seine“ Partei auswählte, ist für den 43-Jährigen durchaus naheliegend. „Die CDU ist für Bildung und Familie und sie steht für Werte ein, die ich auch aus meinem islamischen Glauben heraus lebe.“ Er befindet sich offenbar in guter Gesellschaft: Erst vor wenigen Wochen ist in Niedersachsen die erste türkischstämmige Ministerin vereidigt worden – und auch Aygül Özkan macht Politik für die CDU.

1981 kam Turan Karacayir nach Deutschland, geboren ist er im Nordwesten der Türkei, in einem Bergbaugebiet. Trotzdem war es eher Zufall, dass er nach seiner Schulzeit in Hamm eine Lehre als Berg- und Maschinenmann begann. Heute unterstützt er den Hausmeister der Goethe-Grundschule bei dessen Arbeit.

Seit 20 Jahren lebt Karacayir in Bönen. „Dort, wo ich lebe, möchte ich das politische Umfeld positiv mitgestalten, ich möchte mehr von Bönen und von meinen Mitbürgern erfahren“, sagt er. Klar, dass da die Integration eine wichtige, vielleicht die wichtigste Rolle spielt. Und wäre es nicht ein großer Schritt in Richtung einer Integration, würde ein Mann mit türkischen Wurzeln Ratsherr in der Gemeinde, in der er seit Jahrzehnten lebt?

„Für mich muss sich zuerst einmal die Frage stellen, was Integration eigentlich ist. Was wird von jemandem erwartet, der sich integrieren soll?“ fragt Karacayir. Feste Werte gebe es da nicht. Für ihn ist wichtig, sich ohne Konflikte nähern zu können, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu tolerieren. Und: „Wer in Deutschland leben möchte, der muss auch Deutsch lernen. Man muss miteinander reden, um sich näherzukommen.“

Sollte es klappen mit dem Ratsmandat in Bönen, dann wäre er nach Angaben von Gemeinde-Sprecher Wilfried Bülling der erste Abgeordnete türkischer Herkunft. Natürlich weiß Turan Karacayir, dass es noch ein weiter Weg ist bis zu seiner Kandidatur – und erst recht bis zu einer Wahl. Schließlich ist die nächste Kommunalwahl erst 2014. Bis dahin will Karacayir aber nicht untätig bleiben. Einerseits wolle er sich inhaltlich bei der CDU vor Ort einbringen, sagt er. Und andererseits wolle er einen Gesprächskreis initiieren, in dem über politische und religiöse Grenzen hinweg diskutiert werden könne. „Ich habe mir gesagt, ich tu‘s mal, und so fängt es schließlich an“, begründet er sein Engagement. Dass er der erste wäre, der „es tut“, das erklärt er sich so: „Viele, die in der Türkei geboren sind, denken, sie gehen irgendwann mal zurück. Ich denke das nicht. Wir wollen hier bleiben, die Kinder wachsen hier auf.“ Naheliegend sei für ihn deshalb die Frage danach, wie er sich nützlich machen könne in seinem Umfeld.

„Es könnte noch mehr Freiwillige geben, dann könnte die Arbeit auf mehr Schultern verteilt werden. Man muss ja bedenken, dass der politische Einsatz hier vor Ort ein Ehrenamt ist und oft genug nach Feierabend ansteht.“

Manfred Hübner, Fraktionschef der CDU im Bönener Gemeinderat, freut sich über den Zuwachs: „Wir sind sehr zufrieden, so ein aufgeschlossenes neues Mitglied in unseren Reihen zu haben. Aufgrund seiner Arbeit im Integrationsrat hoffen wir auf fruchtbare Mitarbiet und dass wir etwas bewegen können, was unsere türkischen Mitbürger betrifft. Die Fraktion ist gewillt, ihn in ihre Arbeit mit einzubinden.“

 

 

 

 

 

 

 

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