Nordbögges Luft ist belastet

altDer WA (tig) berichtete am 22. April 2010

 

Bild: Luftstart - LANUV-NRW

Die Nordbögger haben es weiß Gott nicht leicht. Über ihnen donnern die Passagiermaschinen hinweg, die auf den Flughäfen der Region landen, in ihrer Nachbarschaft rollen täglich Hunderte Lkw in den Bönener Indupark, die Bahn rattert in kurzen Abständen am Bönener Ortsteil vorbei, und direkt nebenan verläuft eine der am stärksten befahrenen Autobahnen Europas. Die Atemluft in Nordbögge gilt unter den Einheimischen nicht umsonst als potenziell hoch belastet.

Wen wundert's also, dass sich die gut 1400 Nordbögger seit Jahren sprichwörtlich mit Händen und Füßen gegen noch mehr Luftverschmutzung wehren.

Nicht zuletzt dank des Einsatzes des Arbeitskreises für Lärm- und Schadstoff-Immissionsschutz e.V. setzte sich das Nordbögger Problem längst im Bewusstsein vieler Bönener fest. Dem Arbeitskreis ist es auch zu verdanken, dass das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) NRW im Jahr 2009 in Nordbögge an der Böingholzstraße und an der Bönener Straße zwei so genannte Passivsammler aufgestellt hat, die die Stickstoffoxide (NO2) in der Luft messen sollen. Landesweit wurden insgesamt 121 dieser Sammler aufgestellt, nun liegen die endgültigen Daten des nordrhein-westfälischen Luftmessnetzes vor.

An 76 Standorten wurde der ab dem Jahr 2010 einzuhaltende Grenzwert für das NO2-Jahresmittel von 40 µg/qm? (Millionstel Gramm pro Kubikmeter) überschritten. Wie kaum anders zu erwarten, gehört auch Bönen zu den Standorten mit einer zu hohen Stickstoffoxid-Konzentration. Ergebnisse für Nordbögge Zeile 8+9

Was für die Nordbögger Umweltschützer eine Bestätigung ihrer Thesen bedeutet, zieht für die Bezirksregierung Arnsberg und die Gemeindeverwaltung nun Arbeit nach sich. Denn die Bezirksregierung muss – in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bönen – dafür sorgen, dass die Grenzwerte wieder eingehalten werden, muss entsprechende Maßnahmen einleiten und auch einen neuen Luftreinhalteplan erstellen. „Wie diese Maßnahmen im Einzelnen aussehen, kann ich nicht sagen, aber denkbar wären Fahrverbote oder Durchfahrtsverbote für Lkw“, erklärt Dr. Ulrich Pfeffer vom Essener Lanuv.

Die CDU Fraktion Bönen fordert eine Sperrung der Nordbögger Ortsdurchfahrt für LKW! In der Ratssitzung am 29. April 2010 werden wir die Verwaltung der Gemeinde Bönen auffordern, die von Dr. U. Pfeffer (LANUV) angekündigten Maßnahmen zu konkretisieren.

Bisher hat sich die Gemeindeverwaltung nicht gerade überschlagen, wenn es um die Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Nordbögger Luft ging. Das dürfte sich nun ändern, denn: „Die Grenzwerte“, so macht Dr. Pfeffer unmissverständlich klar, „müssen eingehalten werden. Das ist eine Vorgabe der EU.“

Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg, bestätigt: „Die Messwerte sind bereits bei uns angekommen, auch Bönen ist als Fall benannt worden.“ Wann die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden, konnte er noch nicht beantworten.

Weitere Hinweise des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW - LANUV

Die Gesamtauswertung der Luftqualität des Jahres 2009

Zusätzliche Informationen