Verhalten von Kleinkindern nicht erwünscht

Leserbrief zum WA-Artikel  "Unterstützung

aus Bönen" vom 17. Juni 2010

 

Sehr geehrter Herr Herbst,

mit regem Interesse habe ich den oben genannten Artikel gelesen und musste feststellen, dass sich hier die Meinung eines guten und treuen Parteisoldaten widerspiegelt.

Da ich im Leben den Beruf des Soldaten ausübe, kann ich Ihnen jedoch aus eigener Erfahrung berichten, dass bei uns die Zeiten, in denen Soldaten sich keine eigene Meinung bilden durften, glücklicherweise lange vorbei sind. Ich möchte daher Sie und Ihre Genossen dringend, zum Wohle unseres Landes und der Bürger, die in ihm leben, bitten, dieses Denken schnellstmöglich abzulegen und zu einem konstruktiven Miteinander zu finden.

Der Wähler hat den Parteien am 9. Mai 2010 einen Auftrag erteilt und da der Wähler mit großer Mehrheit demokratische Parteien gewählt hat, kann der Auftrag hier nur lauten: Bildung einer stabilen Regierung durch eine große Koalition. Ich denke, ich brauche Ihnen hier nicht die Probleme unseres Landes aufzählen, die einer Lösung bedürfen und nicht nur einer bloßen Verwaltung.

Was der Wähler mit Sicherheit nicht wollte, und von dieser Kritik nehme ich meine Partei ausdrücklich nicht aus, ist das Verhalten von Kleinkindern, welches uns zur Zeit von den Führungsebenen beider großen Parteien dargeboten wird.

Hier werden auf dem Rücken des Landes persönliche Animositäten gepflegt und ausgetragen, Probleme ausgesessen und damit noch vergrößert, dieses von beiden Parteien und allen Verantwortlichen und ohne Rücksicht auf Verluste. Persönliche Befindlichkeiten werden über die Aufgabe gestellt.

‘Ich will das, ich will dieses, ich kann nicht mit dem oder mit dem, die Nase des einen ist schief, die Ohren des anderen sind zu groß’ – das alles schön verpackt und verkauft unter dem Mantel von Sachthemen und die treuen Parteisoldaten preisen die Ware im Wählervolk auch noch an.

Herr Herbst, wer etwas will, sucht Möglichkeiten, wer etwas nicht will sucht Gründe und wenn wir an der Basis jetzt noch anfangen, diese Gründe zu bestätigen, halte ich das für den völlig falschen Lösungsansatz für die Probleme unseres Landes.

Wenn unsere Trainer diese Möglichkeiten für unser Zusammenspiel nicht finden, müssen wir, die Mannschaften, diese Möglichkeiten suchen, finden und diese den Trainern aufzeigen und nötigenfalls, falls unsere Verantwortlichen nicht mit den Kindereien aufhören, diesen ihr Spielzeug wegnehmen und es in verantwortungsvollere Hände geben damit, es nicht kaputt geht.

Analog zu einem Teil des deutschen Volkes, das vor Jahren auf die Strasse ging und „Wir sind das Volk“ rief, sage ich zu Ihnen, lassen Sie uns in die Parteizentralen gehen und rufen: „Wir sind die Partei und ein Teil des Landes, macht das, wofür ihr gewählt worden seid und arbeitet zusammen zum Wohle unseres Landes.“

Und wenn unsere Trainer uns nicht richtig aufstellen, müssen wir sie auswechseln und neue anstellen.

Ein wie von Ihnen dargestelltes „Richtig so“ halte ich hier in jedem Falle definitiv für den falschen Weg.

Christian Lein

 

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